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Sommer 2023 - auf dem GTA (nördlicher Teil)





Mittwoch, 26.07.23

München


Ich habe einen neuen Rother. Er ist wieder rot. Und es steht GTA drauf. G steht für "Grande", das heißt "groß". Hätte ich das mal früher verstanden... der Rest steht für Traversata delle Alpi. Also frei übersetzt „in nem großen Bogen so über die Alpen drüber nüber.“


65 Etappen, 1.000 km, 65.000 Höhenmeter von irgendsoeinem Pass im Tessin in der Schweiz, durchs Piemont bis an Mittelmeer. Er ist unterteilt in einen nördlichen Teil bis Susa und einen südlichen, der dann bis ans Meer geht. Den Nördlichen, den starte ich morgen…das sind 34 Etappen, 34.000 Hm und so 600 km. Völlig utopisch. Mal wieder. Wir werden sehen wie weit ich bei Unwetterstürmen in Norditalien und Hitzewellen im Süden kommen werde. Aktuell hat es auf meine zweite Etappe draufgeschneit.


Wenn man GTA googelt, kommt man erstmal auf dieses olle Computerspiel, dieses Autorennen-Teil, dass eine Weile jeder gespielt hat. Der Mann auch. Da war er ein Gangster, hatte einen grünen Sportwagen, eine Villa und eine blondierte Frau, die in so ultraengen kurzen Klamotten rumgelaufen ist. Die hat ihn dann aber mit dem Yogalehrer betrogen. Ich mochte das Spiel.


Man muss dann ein bisschen weitergoogeln, vielleicht noch "Wanderung" hinzufügen, dann findet man begeisterte Berichte von Menschen, die das meist über 5, 6 Jahre gehen. z.B. der Outdoorfotograf Michael Martin, der sonst mit dem Motorrad durch die Wüsten der Welt fährt. Jetzt läuft er schon seit 4 Jahren an dem nördlichen Teil. Lesenswert ist es allemal:


Die Geigerin ist das auch schon in Teilen gegangen und die Katharina, die auf Salzburg-Triest dieselben Bergschuhe hatte wie ich auch. Alle sagen „das ist gaaaanz anders als die anderen Touren“, beantworten dann aber nicht inwiefern. Da sie dabei aber immer so verzückt lächeln, schlussfolgere ich, es ist wohl auch schön. Nur eben anders schön.


Das sind also meine Sommerpläne 2023. Seit Anfang Juli bin ich in meiner (inzwischen alljährlichen) zweimonatigen Sommerpause. Eines der vielen Privilegien als Selbstständige: Sich seine Zeit frei einteilen zu können und nachdem ich von Januar bis Juni ECHT viel gearbeitet habe, fühlt sich das gerade auch sehr verdient an. Der Mann und ich waren zwei Wochen in den Bergen, erst in Osttirol und anschließend sind wir die ersten 3 Tage von Salzburg - Triest nochmal gelaufen. Diesmal bei besten Wetter und inklusive Besuch der berühmten Eishöhle (viele, viele Stufen, bis man dort ist...). Wie jedes Jahr mit dem Ziel, meine im Winter auf 0 gerutschte Kondition auf ein einer Alpenbloggerin würdiges Niveau zu bekommen. Ob das geklappt hat, wird sich dann zeigen.


Zum packen hatte ich diesmal nur 2 Tage Zeit, ich war bis Montag in Vancouver, eine Stadt in der ich im Jahr 2000 zwei Monate bei einer Gastfamilie gelebt und Englisch gelernt habe. Es war eine so wichtige und glückliche Zeit in meinem Leben, ich war das allererste Mal allein in der Welt, an jeden einzelnen Tag (im positiven Sinne) aufgeregt, glücklich, voll Freude und Abenteuerlust und Staunen darüber, wie leicht es sein kann sich in einem anderen Land gut zurecht zu finden. Die Schule war toll und die Familie sowieso. Ich hab damals so viel gelernt, hatte das Gefühl so sehr zu wachsen. An den Wochenenden habe ich British Columbia erkundet und zum ersten Mal erfahren, dass man auch „allein“ unterwegs sein kann oder sogar in einem Restaurant sitzen. Und wie frei das macht. 23 Jahre später bin ich also zurück, war die ersten Tage bei derselben Familie (in einem neuen Haus) und mit neuem Familienzuwachs. Die Oma ist leider vor 2 Jahren gestorben, das war eine so weise, inspirierende, tolle Frau. Und die damals 10 jährige Tochter hat selbst gerade ein Baby bekommen!


Hier zwei Bilder damals und heute (ich hatte Rasta-Zöpfe!!)


Nach 4 herrlichen und sooo entspannten Tagen in North Vancouver mit täglich Wandern, Ratschen, Eisessen UND im Pazifik baden bin ich dann näher nach Downtown gezogen, wo 4 Tage der Weltkongress für Positive Psychologie stattfand - mein neues berufliches Wirkungsfeld. Etwas, das mir 10 Jahre ein "Hobby" war, bevor es vor 3 Jahren meine neue berufliche Heimat wurde. Das war damals eine von vielen positiven Auswirkungen, die meine erste Weitwanderung München - Venedig ausgelöst hat: Nach Rückkehr „brav“ in Vorstellungsgesprächen zu sitzen und verwundert festzustellen, dass das ja gar nicht mehr passt… Und dann bin ich tatsächlich gesprungen und habe mich selbstständig gemacht. Und habe es seitdem keinen Tag bereut.


Jetzt ist aber Sommerpause - zum Packen diesmal nur zwei Tage Zeit, wie immer frage ich mich was so kompliziert daran sein soll eine kurze und eine lange Hose einzupacken und zwei T-Shirts dazu? Wie immer dauert es ewig. Es muss schließlich alles abgewogen werden. Habt ihr eine Idee, wie unterschiedlich schwer Deos sein können??? Von 35g bis 180g ist da alles drin! Auch gibt es da noch ein paar Etiketten, die dringend noch aus der Kleidung rausgeschnitten werden müssen. Richtig ergiebig ist das dieses Jahr aber nicht…


(Für alle, die schon immer mal „Polyester“ in allen Sprachen lernen wollte…)


Die Zahnbürste bleibt diesmal ganz, ich hoffe das bringt kein Unglück. Das ist ja der Geheimtipp in Weitwanderer-Foren um Gewicht zu sparen. Ich durfte dann aber die letzten Jahre feststellen, dass das doch unterm Strich eher unpraktisch ist.. Und fühle mich inzwischen stark und fit eine ganze über die Berge zu tragen…


Und irgendwann ist dann doch das ganze Chaos das man jedes Mal wieder veranstaltet in Teilen in den Rucksack gewandaussortiert.



Als ich endlich fertig bin, räumt der Mann alles nochmal raus und hinterfragt diverse Dinge: 200 Gramm Sonnencreme zum Beispiel und 500 g Nüsse. Auch die Kniebandage bleibt nun doch da. Gemeinsam erleichtern wir alles um fast ein Kilo (die Mr. Tom Riegel, die er mir rausräumt, räume ich später aber heimlich wieder rein. Bis er das erfährt, bin ich schon lang über alle Berge ;-)))


Final ist das jetzt die aktuelle 2023 Packliste:

Die Klamotten, die ich morgen am ersten Tag tragen werde wiegen 800 Gramm, also bin ich theoretisch bei unter 9 kg Startgewicht am Rücken. Das wäre sehr gut, irgendwie sind es jetzt aber doch 10 kg. Ich vermute, mein Excel ist kaputt. Dieses Programm war mir eh schon immer suspekt.


Es ist doch immer wieder so aufregend. Morgen geht es um 6:55 Uhr los, erst nach Zürich, dann weiter nach Airolo. Von da mit dem Postbus Richtung Nufenenpass und da die erste Etappe!! Die aufgrund der langen Anfahrt nur eine kurze ist. Eine Stunde. Das klingt machbar… Ich geh jetzt mal schlafen.

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