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Tag 13 GTA - Von einer liebevollen Nonna zur nächsten

Dienstag, 08.08.34 / Rother Etappe 14

Rimella/Chiesa - Alpe Baranca

Km 12 - Hm rauf 1060 - Hm runter 630

Unterwegs von 11:15 - 17:00, reine Gehzeit 5h (inkl. einmal falsch absteigen und einen Umweg laufen)

Die Wirtin hatte mich gestern gefragt, wann ich frühstücken will. Mir egal, wann es ihr recht sei. „Die ersten wollen ja schon um 7:30 Uhr“ Ich höre raus, dass sie das seltsam findet. „Acht, halb 9?“ schaue ich sie fragend an? „Gerne ab 8.“

AB acht hat sie gesagt, das ist wichtig.


Ich höre schon, wie ab 7 die Hektik im Hause losbricht, aber ich bleibe im Bett bis halb 9…Manchmal ist man beim Aufwachen so tief glücklich. Dann darf man sich nicht bewegen, muss liegenbleiben und das im ganzen Körper verteilen. Heute ist so ein Tag. Ich rechne kurz nach, 4:30 h stehen an, kein Prozent Regenwahrscheinlichkeit, es ist völlig egal wann ich losgehe.


Ich dreh mich vorsichtig um, damit sich das Glücksgefühl nicht rausschüttelt.

Um neun Uhr gehe ich nach unten, es ist immer noch so viel Hektik. Eine findet ihren Ausweis nicht, die andere vermisst ihre Schuhe. Es hängt ein großes „wir müssen jetzt los!!!“ in der Luft.


Das sind alles GTA-Neueinsteiger. Ich war bis vor ein paar Tagen noch genauso, immer so ein tiktak der Uhr im Nacken, lieber früher los, noch kein Vertrauen in die ausgegebenen Zeiten, immer überall dicke Puffer draufrechnend, auch wenn klar ist, man hat genug Zeit. Also, ich verstehe das gut und gleichzeitig bin ich froh, dass das total weg ist. Ich bin im „hab alle Zeit der Welt“-Gefühl angekommen.


Ich bin die allerletzte im Frühstücksraum, ein einziges Set ist noch unbenutzt. Meins.

Was ist das denn für ein Buffet? Salami, Schinken, Obst, Kuchen, hausgemachte Marmelade am Tisch, Semmeln. Der Wahnsinn. Die Wirtin kommt, es tut ihr so leid, sie hat mich schon vor 10 Minuten gesehen, es war so viel los! Die eine findet ihren Ausweis nicht, und die Familie mit der Sonnenstich-Tochter wollte so früh los. Einen Moment noch, sie bringt mir sofort Kaffee, ein bisschen Käse, ein bisschen Schinken. Es ist doch alles da, sage ich mit Blick aufs Buffet. Nein, nein, da fehlt ja die Hälfte. Sie trägt riesige Platten rein, und eine Brotzeittüte. Ich soll mir unbedingt noch was mitnehmen. Sie ist auf Deutsche eingerichtet… Ne, ich brauch nix für unterwegs. Ich trage keine Zipperhosen und ich schmier mir keine Semmeln vom Buffet. Sie bringt noch mehr Käse, DEN soll ich mir für unterwegs einpacken, wieviele Semmeln ich mitnehmen mag 3 oder 4? STOOOPPP, ich habe eine 4 h Tour vor mir und komme in 3 Dörfern vorbei. Keine Antarktisdurchquerung.

Sie wird gleich sauer..

Ok, ich nehme EINE mit. Mein Friedensangebot. Mehr nicht!


Während ich frühstücke ist es jetzt ganz still im Haus. Ich genieße den Morgen, die Glücksgefühle und freue mich auf den Tag.


Um 10 packe ich mich zusammen, lege mich noch ein bisschen aufs Bett, schau aus dem Fenster. Irgendwie ist es plötzlich fast 11. Na gut, langsam kann man ja mal los. Das Zahlen dauert länger. Ich muss mich schon wieder mit der Wirtin streiten.

Sie streicht die Hälfte meiner Sachen ständig von der Rechnung.

„Ach der Ramazotti, der geht aufs Haus. Ach der Wein, das waren ja nur 2 Gläser.“ „nein, das zweite war ein ganzer Krug.“ „egal.“ „Ich hatte noch ein Wasser abends.“ „Das was ich dir mit aufs Zimmer gegeben habe?“ Sie winkt schon wieder ab.


Letztendlich will sie von mir für eine Übernachtung in einem entzückenden DZ, ein unfassbar geniales Abendmenü, Wein, literweise Sprudel, Nachmittags auf der Terrasse Brotzeit, Kaffee, Cola etc. 65 Euro. Verrückt.


„Ob ich lieber Kekse oder Schokolade für unterwegs mitnehmen mag?“ Ich zögere eine Sekunde zu lang, sie stopft mir beides in den Rucksack. „Ob ich noch einen Kaffee trinken mag? Und ein Biscotti dazu? Geht natürlich aufs Haus!“ Inzwischen ist es 11:15 Uhr. „NEIN!! Ich gehe genau JETZT!“ Sie lacht, wünscht mir eine glückliche Reise. Wie meine Oma früher.

Ich winke dem Haus nochmal zu, dann geht es los.


Das Höhenprofil heute sieht 1.000 hoch vor, die ersten 500 am Anfang, eher steil, die zweiten am Ende. Die ersten sind wirklich steil. Die Markierungen sind weitestgehend gut, wo sie fehlen hat sie jemand oft handschriftlich ergänzt.


Zusätzlich gibt es auf dem ersten Teil des Weges, der durch kleine Dörfer führt, oft direkt an den Balkonen und Terrassen der Bewohner vorbei, eine akustische Wegführung. Jedesmal wenn man wieder eine Treppe hochjappst ruft es aus irgendeiner Ecke „Da oben links!“ „geradeaus weiter!“ „jetzt rechts!“ und: „Das ist falsch, kehr um!“ als ich einmal 3 Meter vom Weg abkomme, weil ich ein Foto machen wollte. Man muss dann immer ein bisschen gucken aber auf einem der umliegenden Balkone und Terrassen sitzt dann meistens ein älterer Herr mit nacktem Oberkörper, manchmal auch eine angezogene Dame im Liegestuhl und navigiert einen durch die schmalen Gassen. Sehr praktisch. Personalintensiv aber Großartig!


Die Wege sind leicht, die „ausgesetzte, seilversicherte Stelle, die bei Nässe gefährlich sein kann“ nun ja, seht selbst. Wer den Abstieg nach Gondo überlebt hat kann davor eigentlich keine Angst mehr haben. Ich würde sagen, da schafft es jeder gut drüber.

Irgendwas ist La Res erreicht eine kleine Häuseransammlung auf 1419 m und mit einer schönen Picknickbank. Ich mache ein kurze Trinkpause, dann Abstieg.

Die Wege sind einfach, schattige Waldwege wechseln sich mit Wiesen ab. die Landschaft erneut grün in alle Richtungen bis in die obersten Gipfel.

Irgendwo steige ich mal fast 100 hm zu tief ab, ich hab eine Markierung übersehen (und frage mich gerade beim Blick auf das Foto WIE?), ausgerechnet dieser Teil liegt in der prallen Sonnen. Als ich wieder rotköpfig auf dem richtigen Teil des Weges stehe höre ich auch in diesem Ort ein ein - leider zeitverzögertes - akustisches Wegesignal; „Das war aber falsch da runter!“ „Ja Grazie!“


Dann der letzte Anstieg, er geht erstmal doch eine ganze Weile auf einer sehr heißen,

Schattenfreien Straße entlang, ein Fluss, kleine Wasserfälle plätschern daneben. Als der Ort Santa Maria erreicht ist biege ich doch noch zum Fluss ab. Hier ist das Wasser tief genug um sich abzukühlen. Es ist herrlich klar. Ganz geh ich nicht rein, aber Beine, Arme, Kopf, Buff nochmal untertauchen, und sich dann auf einem Felsen in der Sonne trocknen lassen.


Pünktlich nachdem ich trocken bin und von meinem Lorelei Felsen wieder runtergekrabbelt bin und mich jetzt aber wirklich an den letzten Anstieg machen darf, schiebt mir der Wettergott eine kleine Wolke vor die Sonne. Jedesmal, wenn sie ein bisschen verrutscht, merke ich WIE anstrengend das ist, wenn es richtig heiß ist. Obwohl die Steigung zu jedem Zeitpunkt echt angenehm ist. Mir kommen auf dem Weg sehr viele Italiener entgegen, die gerade absteigen, die Alpe Baranca scheint auch für eine Tageswanderung sehr beliebt.


Ich verstehe nicht, warum das jetzt wieder so anstrengend ist, trinke viel, bleibe ständig stehen. Oder setze mich irgendwo auf den Weg. Daneben geht nicht, da ist alles zugewachsen. Den Mann nervt das manchmal ein bisschen, wenn ich mitten auf dem Weg hocke, er nennt mich dann immer „Snowboarder!“ Aber der ist ja gar nicht da. Noch nicht… Bis in ein paar Tagen muss ich mir das mit der Wegehockerei wieder abgewöhnt haben. Aber bis dahin bin ich bestimmt TOPFIT!


Noch um diese Kurve, diese Hütten sind es noch nicht…zu früh gefreut.

Aber dann: Um 17 Uhr bin ich oben. Die beiden Bonner Damen sitzen vor der zauberhaften Alpe Baranca in der Sonne, winken mir von weitem zu „Geschafft!“

Alles ist hier so herzlich, wie es das Eingangsschild ankündigt.



Es ist herrlich da oben, Kühe bimmeln, die Wirtin - schon wieder eine soooo herzliche ältere Nonna - kommt auf mich zu und begrüßt mich herzlich. Man merkt schon, sie ist nicht mehr ganz jung und ganz leicht fällt ihr das hier oben nicht mehr alles, sie geht stark gebückt, aber sie ist so so fröhlich und freundlich, sie lacht und strahlt die ganze Zeit. Irgendwie sehe ich hier immer nur die Frauen arbeiten. Als einmal eine Tür offen steht, sehe ich den Mann dazu. Er sitzt im Sessel und schaut Fernseh. Bestimmt trägt er die ganze Verantwortung oder sowas.


Es gibt 3 große Zimmer, keine Stockbetten, die beiden Damen haben eingefädelt, dass ich mit ihnen im Zimmer bin, nur zu dritt, das ist perfekt! Die Familie mit dem Sonnenstich-Kind ist aufgetaucht, die haben das hinterste Zimmer, die beiden vom Team Königssee das andere. Der Ausweis ist übrigens wieder aufgetaucht, sie hatte ihn in die Seitentasche ihrer kurzen Hose gesteckt. Der Klassiker, wenns morgens schnell gehen soll, man ihn von der Wirtin zurückbekommt und „schnell wo hinsteckt.“


Der Abend ist lecker und lustig, es gibt einen Vegetarier-Tisch und einen anderen, ich sitze mit der Familie am „anderen“ Tisch. Die Sonnenstich-Tocher studiert Geschichte und will später mal Gedenkstätten planen und errichten. Sie wirkt wieder ganz munter, trinkt Wein und isst scharfe Pasta. Danach ist ihr aber gleich wieder schlecht. Ob es die beste Idee ist, dass sie das hinterste Zimmer haben?


Es gibt Salat und tollen Käsen zur Vorspeise, Ricotta und Schinken, Pasta Arrabiata und danach noch Rind hier von der Alm. Es schmeckt alles großartig. Schon wieder!


Als ich um 21:20 ins Bett gehe bin ich die allerletzte, alles schläft schon. Haha. Naja, ich war ja auch die letzte heute morgen.

3 Kommentare

3 Comments


graefek
Aug 14, 2023

Liebe Katharina, wie schön, dass du wieder unterwegs bist! es ist ein Genuss morgens deine Beiträge zu lesen. Das fühlt sich so richtig nach Sommerferien an dich zu begleiten. Für mich gehts jetzt beschwingt und gut gelaunt ins Büro! Dir wünsche ich noch viele tolle Erlebnisse und viele liebe Nonnas. Davon kann es doch nicht genug geben. Pass auf dich auf liebe Grüße, Kerstin

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katharinaehrhardt
Aug 15, 2023
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Schön, dass du auch wieder mit dabei bist! Danke für die guten Wünsche, die Nonna-Dichte blieb bislang sehr hoch! Es funktioniert schon. Alles Liebe, Katharina

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sabine
Aug 14, 2023

😍

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