top of page

Tag 27 Salzburg – Triest: Back in Italy 🇼đŸ‡č



Montag, 26.07.21

Tolmin – Tribil Superiore / Rother-Etappe 24, Unterkunft Alla Rosa dei Venti

HM rauf 1.120, runter 680, km, gelaufene KM 20, reine Gehzeit ca. 6 Std.


Wir haben schon wieder so gut geschlafen, immer noch im  6-Bett Zimmer, inzwischen nur noch zu zweit. Wir schneiden den restlichen Bergdorf-KĂ€se auf und stellen ihn zum FrĂŒhstĂŒcksbuffet dazu – HostelgĂ€ste sind immer dankbare Abnehmer fĂŒr quasi alles. Er IST aber auch gut. Sogar die Hostelchefin, die gar keinen KĂ€se mag, isst ihn. Aber wir werden ihn nicht mitnehmen. Der Mann schreibt noch „free Beer“ auf unsere letzten beiden Bierdosen und stellt sie in den KĂŒhlschrank zurĂŒck – er weiß wie man sich in Hostels Freunde macht. Vor dem FrĂŒhstĂŒck gehen wir zur Post, die um 8 Uhr aufmacht. 6,5 kg Daunenjacken, SchlafsĂ€cke, MĂŒtzen, Kletterhandschuhe und Wanderstöcke werden zur Lieblingsschwester des Mannes heimgeschickt. Mit der dringenden Empfehlung, das Paket lieber NICHT zu öffnen 🙂 Meine Bergschuhe sind nĂ€mlich auch drin. Der Mann sagt, ich soll sagen, dass der Typ auf dem Foto nur ein hilfsbereiter slowenischer Post-Mitarbeiter ist
Ich finde ja, er sieht eher aus wie der Coca-Cola-Mann. Und nein, ich habe keine Wette laufen, ob ich es bei JEDER AlpenĂŒberquerung schaffe, den CocaCola Mann zu erwĂ€hnen (wer noch weiß wo er letztes Jahr genannt wurde, gewinnt ein Steckerleis mit mir
.)



Neben der Post ist ein SportgeschĂ€ft, der Intersport. Wer sich bis hierher keine Gedanken gemacht hat, wie er die Flachland-Hitze-Etappen schuhtechnisch bestreiten will, hier wĂ€re die letzte Gelegenheit sich ein leichteres Paar Schuhe zuzulegen. Meine dringende Empfehlung ist nach wie vor, das nicht in schweren Schuhen zu laufen. Es hatte Monate gebraucht, bis letztes Jahr alle Wunden final verheilt waren. Ich saß gestern unglĂ€ubig am Fluss und hab ewig auf meine FĂŒĂŸe gestarrt. Außer dass der Nagellack ab ist, ist NICHTS kaputt. Keine einzige Blase. Und das soll bitte genauso bleiben.


Kurz drauf sind wir zurĂŒck zum FrĂŒhstĂŒck, essen selbst noch was von unserem KĂ€se aus dem alle-Zeit-der-Welt-Dorf, da wo das Tor raus aus den Alpen steht, reden noch ewig mit der Hostelchefin. Sie arbeitet im Winter in Österreich in einem Skiort, daher spricht sie auch so gut Deutsch.


Sie macht sich Sorgen wegen den gestiegenen Covid-Zahlen. Bislang hatten wir den Eindruck, in Slovenien gibt es kein Corona, es interessierte niemanden, keine Masken, keine Frage nach Tests oder Impfungen, alles voll und eng mit Leuten. Ab heute hat sich das wohl geĂ€ndert, sie muss  jetzt wieder erfragen, ob geimpft, getestet, genesen erzĂ€hlt sie uns und es wird im Tal stark kontrolliert. Wie das am Berg kĂŒnftig gehandhabt wird, weiß sie nicht. Aber sie blickt trotzdem zuversichtlich auf den Sommer, das wird schon alles irgendwie gut werden, sagt sie. Ich glaube, sie ist wirklich der freundlichste und herzlichste Mensch, den ich auf der gesamten Tour kennengelernt habe.


Sonst haben wir in Tolmin keine „Bekannten“ mehr getroffen. Die SchwĂ€bin hat ab hier jetzt ihre Renn-Strecke, wo sie 2 Tage einsparen will, sie ist schon vor uns, der Therapeut ist nicht mehr aufgetaucht, Carmen verschwunden. Der Franzose auch. Die Bergkameradin schreibt spĂ€ter, sie sei inzwischen gut zuhause angekommen, der TangotĂ€nzer wĂ€re noch ein paar Tage in Tolmin geblieben. Der war also zeitgleich mit uns da, wir haben ihn aber nicht gesehen. Fast schon unwahrscheinlich in so einem kleinen Ort mit nur 2 oder 3 Restaurants.


Gegen 10 Uhr laufen wir los, heute geht es final zurĂŒck nach Italien. Die RucksĂ€cke sind so federleicht, man spĂŒrt sie fast gar nicht, obwohl wir viel Wasser dabei haben. Und viele Schnitzel. Die FĂŒĂŸe sind auch so leicht, laufen von selbst. Was das ausmacht, 1 Kilo weniger an den FĂŒĂŸen, 3 weniger am RĂŒcken!! Es ist alles so leicht, ich hebe gleich ab! Tolmin liegt nur auf 200 m, wir mĂŒssen auf 1.100 um den Kolovrat Bergzug zu ĂŒberwinden, da oben verlĂ€uft die Grenze zwischen Slovenien und Italien. Dann haben wir die ersten 900 HM. Weitere 200 HM sammeln sich dann so den restlichen Tag irgendwo an. Unser heutiges Ziel ist die Weltstadt Tribil Superiore. Von da aus dann die letzten Etappen durchs Friaul-Gebiet. Wein wird dort auf uns warten, da sind wir uns ganz sicher 🙂


Und DA mĂŒssen wir heute wohl drĂŒber:


Wir passieren viele Blumen und zwei kleine KĂ€lbchen.




Es ist steil, aber nicht so heiß wie es sein könnte. Und es geht auch teilweise schattig durch Wald.



Als wir uns gerade denken, eine Pause kĂ€me langsam schon sehr recht, meint der Mann wie gehen noch zwei Kurven weiter, raus aus dem Wald, eine Kehre weiter auf der Fahrstrasse, DA kĂ€me dann eine perfekter Aussichts-Pausenstelle. So ist es auch. Man hat einen traumhaften Blick zurĂŒck auf Tolmin und auf den Soca-Fluss wie er sich grĂŒn-tĂŒrkis durch das Tal windet. Inklusive Picknick-Bank. Das ist perfekt. Der Mann isst die ersten Schnitzel.



Begleitet von ein paar Schattenspendenden BĂ€umen kommen wir irgendwann“oben“ am Kolovrat an. Dort verlaufen SchĂŒtzengrĂ€ben, unterirdische GĂ€nge aus dem ersten Weltkrieg. Ich nehme den kurzen Weg durch die Vertreidigungsanlagen, der Mann den langen. BedrĂŒckt sind wir hinterher beide.






An der Grenze machen wir nochmal Pause, ich setze mich auf den Grenzstein. Ja es zieht mich jetzt eindeutig nach Italien 🙂



Unsere leichten RucksÀcke und der goldene Stock ruhen sich auch aus.



Dann essen wir die restlichen Schnitzel auf, aber dafĂŒr mache ich den Schritt zurĂŒck nach Slovenien. Slovenische Schnitzel sollte man auch in Slovenien essen.




Die besten gibt es sowieso in MĂŒnchen, bei Sir Tobi. http://www.sirtobi-muenchen.de/ Wenn ihr da mal vorbei gucken wollt, dann bitte nur noch bis Mitte August, danach brauche ICH die wenigen PlĂ€tze die es da gibt wieder, gell???  Ich war am Tag vor meinem Abmarsch noch da, obwohl ich ĂŒberhaupt gar keine Zeit hatte, aber es gab zum Mittagstisch Spargelrisotto, da muss man sich Zeit nehmen! Spargelrisotto ist eine ganz hervorragende Wander-Grundlage. Und dann hab dort ich eine Schnitzel-Postkarte als GlĂŒcksbringer fĂŒr die Tour bekommen.



Die trage ich seitdem durch inzwischen 4 LĂ€nder. HĂ€tte ich mich mal sprachlich nicht verstĂ€ndigen können, hĂ€tte ich einfach diese gezĂŒckt und drauf gedeutet. Wie so eine bebilderte Speisekarte in Touri-GasstĂ€tten, halt mit nur einem Gericht. Aber es sprachen doch immer alle englisch. In Slovenien, wenn es Netz gab, habe ich manchmal vor lauter Verzweiflung die Website studiert, was es heute auf der Mittagskarte gibt
 Bevor ich mich dann meiner Bockwurst zugewandt habe. Dinge, auf die man sich freut, wenn man wieder heim kommt. Jetzt freue ich mich aber erstmal sehr auf italienisches Essen.


Ist man ganz oben angekommen, geht es erstmal recht steil wieder nach unten, gut dass wir wenigstens noch einen Stecken dabei haben!! Das wĂŒrde der Mann natĂŒrlich nie zugeben. Dann kommt das Rifugio Solaris, dort soll man seinen ersten Espresso trinken, schreibt der Rother. Ja was willste machen, wenn das da steht tun wir das natĂŒrlich.



Man sitzt total schön in einen Garten, ein so sĂŒĂŸer Hund legt sich auf meine FĂŒĂŸe und lĂ€sst sich kraulen. Er heißt Robin.



Als wir zahlen und losgehen, lĂ€uft er mit. Und lĂ€uft weiter mit. Und noch weiter. Immer ein paar Schritte voraus, wartet dann auf uns. Und rennt wieder voraus. Er ist maximal sĂŒĂŸ, aber ich habe schon einen goldenen Stock auf dieser Reise adoptiert. Ein weiteres Familienmitglied bekomme ich nicht durch, das ist mir klar.




Als wir im nĂ€chsten Dorf ankommen, bleibt der Hund plötzlich stehen als wir der Markierung folgen und ins GebĂŒsch abbiegen. Na also. Jetzt geht er heim. Er hat uns nur bis zum nĂ€chsten Ort begleitet. Als wir jedoch 3 Minuten spĂ€ter feststellen falsch gegangen zu sein und umkehren, sitzt er immer noch schwanzwedelnd an derselben Stelle und wartet dort geduldig auf uns.. „Das war aber ganz schön falsch, was wolltet ihr denn in den Brennnesseln? Hier gehts doch lang!“ scheint er uns zuzurufen und rennt in die entgegengesetzte Richtung voraus. Was machen wir denn jetzt? Wir sind inzwischen echt weit vom Rifugio entfernt. Hier im Dorf ist ein bisschen Netz, wir rufen mal dort an. Die nette Frau, die uns vorher bedient hat und ein bisschen deutsch sprach, scheint nicht da zu sein. Ein Mann ist dran, er spricht nur sehr wenig englisch. Ach der Hund, keine Sorge, meint er. Der kommt schon wieder. „Egal!“ sagt er. Ich habe den Eindruck er wollte noch sagen „Nehmt ihn ruhig mit“ aber dafĂŒr reicht sein englisch nicht. Na gut, mehr können wir jetzt nicht tun. Der Hund wartet geduldig, bis wir unser Telefonat erledigt haben und lĂ€uft freudig weiter voran, bleibt aber nĂ€her bei uns, passt jetzt ein bisschen besser auf, dass wir uns nicht wieder verlaufen.



Und dann – als unser Wanderweg kurz mal wieder die Fahrstrasse kreuzt – steht genau an dieser Kreuzung ein Auto und die deutschsprechende Frau aus dem Rifugio wartet dort. „Da ist ja der Ausreißer!“ ruft sie. „Ihr wart weg und mein Hund war auch weg! Ich dachte  mir schon, dass er mit euch mit ist. Einmal musste ich ihn sogar Tribil Superiore abholen!“ WĂ€hrend wir uns ĂŒberlegt haben, wie weit so ein kleiner Hund laufen kann und ob er den weiten Weg bergauf zurĂŒck schafft oder findet, wusste der kleine Racker ganz genau, dass er den Weg  eh nicht zurĂŒcklaufen muss. Der italienische Hund fĂ€hrt! SĂŒdlĂ€nder
.



Der Mann hinterfragt beim Weiterlaufen das GeschĂ€ftsmodell dieses Rifugio. „Also wenn die fĂŒr jeden Espresso den sie verkauft ihren Hund irgendwo suchen und dann wieder heimkutschieren darf, ich weiß ja nicht
Das war jetzt mehr Sprit, als der Espresso gekostet hat..“ Mira hat schon recht, er hat unternehmerisches Talent! Sie irrt sich da nie! Ich hinterfrage derweil die Ehe der beiden. So GANZ einig scheinen sie sich nicht zu sein, wie wichtig der Hund ist



Es regnet ein bisschen beim weiterlaufen, aber das macht nichts, es kĂŒhlt. Und bald ist auch Tribil Superiore erreicht, das rote Haus, wo wir heute schlafen, kommt gleich als erstes.



Mira hatte gestern noch geschrieben, sie ist gut angekommen, ob sie uns gleich ein Zimmer reservieren soll? Eigentlich ist heute Ruhetag, das hat sie gut gemacht! Besitzerin Elisabetta steht schon an der TĂŒr als wir kommen: „Katharina?“ Es ist wie heimkommen. Man steht quasi bei ihr im Wohnzimmer. Sie spricht ziemlich gut deutsch, sie hat vor 50 Jahren mal in einer Eisdiele in Deutschland gearbeitet.



Ein neuer Hund begrĂŒsst uns, er wird spĂ€ter meine Schreib-AktivitĂ€ten bewachen! Ob er verhindern will, dass mich jemand stört, oder dass ich aufhöre, bevor ich fertig bin, finde ich nicht heraus. Vielleicht ĂŒberprĂŒft er auch meine Kommasetzung.



Wir bekommen ein Zimmer, wie man es sich bei Oma vorstellt.



Das Gemeinschaftsbad haben wir heute fĂŒr uns allein, wir sind die einzigen GĂ€ste. Ob wir spĂ€ter Essen wollen? Ja, sehr gerne. Sie hat aber kein Ristorante, sie kocht halt nur fĂŒr die Familie ein bisschen, nichts besonderes, ob das ok ist? Ich LIEBE dieses italienisches Nonna-Understatment „ich-koche-aber-nix-besonderes“ und freue mich jetzt schon.


Schnelle Dusche, Beine kurz hochlegen, mal in die morgige Etappe reinlesen. Die die kĂŒrzeste der ganzen Tour ist mit 4 Stunden bis Kloster Castelmonte. Ein Walfahrtsort, die Stimmung abends wenn der Rummel weg ist sei zauberhaft. Wir tendieren eher zu 3 Stunden weiterlaufen bis Albana, die Etappen sind dann viel ausgeglichener und wir könnten auf einem WEINGUT wohnen.


Um halb 7 gibt es Essen, und Elisabetha stellt lauter „UND-Fragen“ „Ist ein bisschen Pasta UND dann ein bisschen Fleisch ok? Und ein bisschen GemĂŒse? Und Wasser? Merkt ihr was? Keine einzige „oder“-Frage. Wir sind zurĂŒck im UND-Land. „Und eine Flasche roter Wein?“ setzt sich noch eins drauf! Höflich, wie wir nun mal sind, sagen wir zu allem „ja.“




Sie hat sogar eine Steckerl-Eis-Truhe in ihrem Wohnzimmer stehen. Ich glaube ich will sowas auch wenn wir zurĂŒck sind. Ungefragt gibt es dann auch noch köstlichen gemischten Salat dazu. Alles schmeckt so so so so gut. Essen ist wichtig. Endlich bin ich wieder in einem Land, wo man diese EinschĂ€tzung teilt. Wo man – kurz vorm Platzen – gefragt wird ob es genug war, von was man noch einen Nachschlag haben will? Ne, es geht wirklich gar nix mehr rein.


Eine Waage steht bei ihr im Bad. Laut der hÀtte ich 4 Kilo weniger. Haha. Darauf eine Flasche roter Wein. Die Sonne geht unter, ein Gartenzwerg guckt ihn mit uns gemeinsam an.






Comments


bottom of page