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Traumpfad München – Venedig Tag 23. Von der Mondlandschaft zum Marmeladenberg



Piz Boe / Capanna Fassa über Passo Pordoi nach Viel dal Pan. Das liegt genau gegenüber vom Marmeladenberg, dem höchsten Berg der Dolomiten. (Der irgendwie anders heißt aber doch so ähnlich) Hm rauf: Leichte 250, hm runter 985, km 10. Unterwegs von 07:30 – 14 Uhr, (dabei fast ALLE Hütten auf dem Weg mitgenommen). Reine Gehzeit ca. 3,5 Std. Sonne satt. Unterkunft Viel dal Pan


Der Mann weckt mich gegen 17 Uhr aus meinem „Mittagsschlaf“ mit den Worten: „Du musst langsam aufstehen und schreiben, die WELT wartet auf deine Berichte!“ Ich war nach einer heißen Dusche (die erste nach 2 Tagen), dem frühen Aufstehen heute und dem Begrüßungs-Aperol Spritz auf dieser traumhaften Sonnenterrasse um halb 4 Uhr nachmittags einfach in das frisch bezogene und so sauber riechende Bett gefallen. Und habe SOO tief und gut geschlafen. Bis eben jetzt, wo mich der Mann an meine „Verpflichtungen“ erinnert. Ich bin ja nun doch schon 3 Tage hinterher…


Nach den zwei konditionell SEHR fordernden und langen letzten Tagen heute eine leichte, aber ebenfalls eine Originaletappe, sogar mit mehr Abstieg, da wir eben oben am Berg Piz Boe übernachtet haben. Den mit 3.152 m höchsten Punkt meiner Reise. Wir sind pünktlich, ohne Wecker, eine Viertelstunde vor Sonnenaufgang aufgewacht, für den diese Hütte  dort oben „berühmt“ ist. Wir ziehen uns leise alle Sachen an die wir haben und schleichen uns zum Hinterausgang der Hütte raus. Dort stehen schon ein paar Frankfurter und diskutieren das Wetter in selbiger Stadt. Sie sind von irgendwoher bereits aufgestiegen (es ist mir ein Rätsel woher) um jetzt hier oben zu stehen. Von der gerade unter Renovierung stehenden Boe Hütte wäre es nur eine Stunde, von dort ist es eine „Empfehlung“ den Gipfel auf dem wir gerade stehen morgens „mitzunehmen“, aber die Hütte hat eben noch zu. Die ebenfalls ca. eine Stunde entfernte Gondel fährt erst ab 9 Uhr? Na egal. In einer kleinen Senke sitzt eine kleine Gruppe Italiener, die dort einen Gottesdienst halten. Als sie später ganz leise zu singen anfangen, ist das wunderschön.

Als ob der Himmel wüsste, dass er uns schon was bieten muss wenn wir zwei Ober-Langschläfer uns um halb 6 rausmachen, hat er genau den richtigen Himmel-Wolken-Mix aufgelegt, der den Himmel dann so schön färben wird. Um 5:40 Uhr fängt das Schauspiel an, der Wind hält für eine Weile die Luft an, so dass wir es tatsächlich bis nach 6 Uhr dort aushalten können. Um 5:52 Uhr ist die Sonne ganz draußen, ein neuer Tag ist da! Warum sieht man sich das im „Alltag“ nicht häufiger an? Die Berge werden noch lange danach wunderschön beleuchtet. Um 7 Uhr gibt es Frühstück: Kaffee, Brot, Nutella und Marmelade.



Und um kurz nach halb acht machen wir uns schon wieder an den Abstieg. Der auf der anderen Seite des Berges runterführt, drahtseilversichert, aber das macht uns ja schon lange nichts mehr, ein bisschen morgen-klettern, warum nicht.



Es geht wieder durch diese bizarre (James-Bond-) Mondlandschaft, diesmal in die andere Richtung zur Seilbahn und zur Hütte Rifugio Forcella Pordoi, die wir gegen halb 10 Uhr erreichen (ach wahrscheinlich sind die Frankfurter von DORT gekommen…). Als wir ankommen sind wir die Ersten, niemand außer uns ist da. Aus der Karte ist ersichtlich, man kann hier „Schlafen mit Frühstück“ oder „Schlafen mit Duschen“ buchen. Frühstück UND Dusche scheint nicht vorgesehen 😉 Da müsste man dann wohl nachverhandeln.




Wir trinken dort den zweiten Kaffee des Tages und betrachten das bunte Treiben, das die ersten Gondeln so auf den Berg rausspuckt. Massen strömen den kleinen Pfad von der Gondel herunter, mit Hunden und Kindern im Schlepptau. Eines der besten Investments (aus Sicht des Wirtes) erwartet uns im Keller der Hütte. Ein 50 Cent Drehkreuz für jeden Toilettengang, wie an einer Autobahn-Raststätte. Ich glaube so viel „Schlafen mit Dusche“ kann der Wirt gar nicht verkaufen, wie er allein in der ersten Stunde mit diesem Drehkreuz verdient.



Wir hatten gestern diskutiert, nach dem für mich doch schweren Tag und meiner wachsenden „Geröll-Allergie“ uns heute den „Geröll-Abstieg“ zu sparen und in 4 Minuten mit der Gondel runter zu fahren (ich hab schließlich noch 1.000 Höhenmeter Abstieg  gut von meinem Abstieg ins Zillertal, wo ich das Tuxerjochhaus in ein Wellness-Hotel umgetauscht habe…) Als wir jetzt hier in der Sonne stehen, mit dem großartigen Blick, in ein wieder grün werdendes Tal blickend, wissen wir gar nicht mehr so recht WARUM wir mit der Gondel fahren sollten? In einer guten Stunde wären wir unten, es ist doch eh ein kurzer Tag. Wir müssen das Pordoi Joch überqueren um auf der anderen Seite das Marmeladen-Massiv zu erreichen. Heute bedeutet Joch-Überqueren: ABSTEIGEN. Weil wir von über 3.000 m Höhe kommen…



Nach ein bisschen Geröll-Abstieg wird es schnell wieder grün, lieblich, voller bunter Blumen. Und wenn ihr auf dem nächsten Bild ziemlich rechts auf dem höchsten Gipfel das winzige Dach seht – da ist die Capanna Fassa unser höchster Schlafplatz gewesen! Von dort sind wir heute morgen aufgebrochen. Und so weit sind wir schon wieder davon entfernt:




Es geht leicht und gut runter, schnaufende Massen kommen uns entgegen, große Gruppen die gemeinsam wandern. Nur meine Stöcke mag ich nicht so recht zur Hilfe nehmen, die bleiben am Rucksack verstaut. Irgendwie haben die gestern meinen kleinen Zusammenbruch mit ausgelöst, ich mag die grad nicht mehr in die Hand nehmen. Gegen halb 12 sind wir am Passo Pordoi, das uns mit Souvenierläden und Restaurants empfängt.





Vom Abstieg aus haben wir uns schon die beste Sonnenterrasse ausgesucht und jetzt um kurz vor halb 12 habe ich echt Hunger. Wir passieren das Provinz-Schild – wir verlassen Südtirol und erreichen: VENETIEN. Ihr wißt was das bedeutet! Falls nein, lest bei Tag 16 nach: Wir sind im Aperol-Spritz-Land 🙂


Auf besagter Sonnenterrasse teilen wir uns eine Pizza – es ist die erste meiner Reise! Sie ist KÖSTLICH!


Und dann ist es nur noch eine gute Stunde leichter Spazierweg durch Blumenwiesen, das neue Dolomiten-Marmeladen-Massiv zu unserer Rechten bis zum Viel dal Pan.





Da hinten kommt es erstmals in Sicht unser heutiges Rifugio (ganz links)




Das mehr Berggasthof als Berghütte ist, aber eben wunderschön liegt. Viele sind wohl geneigt weiter als bis zum Viel dal Pan zu laufen, z.B. noch bis zum Stausee runter, da gibt es auch genügend Unterkünfte. Der dann darauffolgende Tag mit 25 km nach Alleghe wird kürzer, auf dem Papier, auf der Karte betrachtet macht das Sinn. Der Rother empfiehlt klar, dies nicht zu tun, da es hier oben einfach wunderschön sei, mit einer Terrasse genau gegenüber dem imposanten Marmeladenberg und oberhalb des Stausees. Man sollte lieber den kurzen Tag genießen, entweder länger auf dem Piz Boe bleiben oder früher hier im Viel dal Pan sein und jeweils den unglaublichen Blick ein paar Stunden länger in sich aufsaugen. Oder um eben ein Nachmittags-Nickerchen zu machen 🙂


Wir haben ein Doppelzimmer mit BAD, am selben Stock sehen wir in ein paar ebenfalls sehr schöne 4- und 6- Bett Zimmer mit Etagenbad hinein. Der Biergarten ist voll als wir ankommen, aber die Tages-Radler-Trinker sind bald weg. Um halb 7 gibt es Abendessen, Speck-und Käseplatte, Maccaroni mit Wild-Ragout, Salat und ein Tiramisu.



Außer uns scheinen nur noch zwei weitere Übernachtungsgäste da zu sein. Vor dem Fenster läuft ein Fuchs! Als wir raus gehen macht er sich gerade an einem riesigen Stück Fleisch zu schaffen, dass ihm der Wirt wohl rausgelegt hat. Die Wolken türmen sich auf und werden leicht rosa. Wie schön einen Tag rosa zu beginnen und rosa zu beenden.

P.S. Um etwas von der Romantik rauszunehmen – eine Stunde später tobt ein unfassbares Gewitter mit Sturm und Starkregen ums Haus. Wir sind Gottseidank „drin“.

P.P.S. Ausführlicher Artikel von gestern und vorgestern folgt noch. Versprochen.



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