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Tag 15 GTA - Dinner for one

Donnerstag, 10.08.23

Corcoforo - Rima // Etappe 16

Km 9,2 - Hm rauf 1050 - Hm runter 955

Unterwegs von 8:30 - 16:15 Uhr, reine Gehzeit 6h

Unterkunft Albergo Tagliafero


So, das heutige Titelbild zeigt das bislang beste Foto mit dem (zickigen und immer hinter Wolken sich versteckenden) Monte Rosa Massiv…


Paula, die Berlinerin, hat heute Geburtstag! Happy Birthday an dieser Stelle. Ich hab ihnen gestern noch geschrieben, sie müssen unbedingt hier herkommen, stilvoller kann man nicht älter werden.


Und - Ihr könnt aufhören, mich zu fragen wer der Star denn nun war - ich weiß es nicht! Ich hatte ja auf euch gehofft - Ihr habt alle Infos die ich auch habe. Er ist aus Rom, seine Freundin heißt Sarah, sein Hund Toto. Vielleicht hat er ja mal einen Song geschrieben, in dem er seinen Hund und seine Freundin besingt? Künstler machen sowas. Gibt es unter den hier mitlesenden Künstlern niemanden, der eine Idee hat? Die Geigerin? Ob Gitarre oder Geige, beides sind mit Holz umwickelte Lufthohlräume mit Saiten dran. “Kennt“ man sich da nicht, so von Holzsaiteninstrument-Künstler zu Holzsaiteninstrument-Künstler?


Hier nochmal sein Kapuzenpulli der hing heute morgen draußen. Jetzt wird doch bitte jemand dieses Rätsel lösen können? Leute, ich hab keine Zeit und zu wenig Netz für derartige Recherchen!


Apropos die Geigerin, die schickt gerade ein Hagel-Schneesturm-Video vom Aufstieg zur Capanna Fassa, unserer höchsten Hütte damals auf München - Venedig. Sie ist da aktuell mit ihrer Familie. Die Mama hatte ein bisschen Respekt vor dem Aufstieg durch die Nieves-Scharte, konnte aber mit einem „das hat die Alpenbloggerin schließlich auch geschafft“ beruhigt werden. Ich liebe so etwas. Wenn sich andere dann auch trauen. Der Mann schickt zeitgleich einen Artikel, dass 4 Studenten, die auf dem Traumpfad unterwegs waren aus genau diesem Schneesturm gerettet werden mussten, sie hatten keine Mütze, Handschuhe und keine warmen Sachen dabei. Aus der Salzburg-Triest Gruppe lese ich, alle die grad auf den Slovenien Etappen unterwegs sind brechen ab, ein Staudamm ist gebrochen, Flüsse treten über, die Hütten schließen. Es ist wirklich verrückt, während in der einen Hälfte Europas Hitzewelle und Waldbrände toben und es die andere Hälfte wegspült oder wegschneit, spaziere ich unter einer angemessen dosierten 20 - 25 Grad Sonnenstrahlung mit kleinen weißen Wölkchen von Gipfel zu Gipfel, von Bergdorf zu Bergdorf.


Genau das meint wohl auch Danile, die Besitzerin, als sie mich erneut fragt „Und du läufst jetzt seit genau ZWEI Wochen durchs Piemont? Was bist du für ein Glückspilz, es sind wirklich die ersten beiden schönen Wochen in den letzten 2 Monaten. Der Sommer war so furchtbar bislang.“ Wie versprochen fährt sie uns 3 nach dem köstlichen Frühstück zum Einstieg zurück, es ist kurz nach 8 Uhr. Sie setzt uns direkt auf dem Weg ab. Der heute wieder ein schwarzer ist, mit schon wieder 1000 hoch - 1000 runter.

Und dann beginnt ein lustiges Ritual, dass sich an diesem Tag noch oft wiederholen wird. Eine der beiden Freundinnen, die vom Königssee, verabschiedet sich überschwenglich von mir. Sie biegen ab Alagna in die Schweiz ab, weg vom GTA Und laufen von da irgendwie zu ihrem Auto. Trotzdem sind wir heute ja den ganzen Tag auf derselben Etappe. Obwohl die beiden 10, 15 Jahre älter sind, sind sie viel schneller und fitter, ja, trotzdem “sieht man sich“ ja dann doch immer wieder, spätestens beim oben am Grat in der Sonne liegen. Sie geht auf Nummer sicher: „Mei Katharina, mir werdn uns ja nimmer sehen, mei, alles Guade für di und pass guad auf!“


Hinter der übernächsten Kurve hole ich sie ein, sie waren nochmal kurz ins Gebüsch abgebogen. „Mei Katharina, pfiati, mir werdn uns ja nimmer sehen….“ 4 Kurven weiter legen sie Sonnenmilch auf und suchen ihre Hüte…Sie ist entweder wahnsinnig höflich oder ein bisschen vergesslich, ich bin mir nicht ganz sicher… „Mei Katharina….“


Dann verschwinden sie tatsächlich sehr schnell auf de nun steiler werdenden Anstieg.

Es ist schon wieder alles strahlend grün.


Und ich habe Begleitung.







Und irgendwann ist auch das heutige Höhenmeter-hoch-Tagwerk eingefahren, der höchste Punkt ist heute mit 2.351m der Colle dei Termo.

Und auch von hier kann man das Monte Rosa Massiv sehen. Heute sogar ziemlich gut!


Ich weiß gar nicht, warum der Weg heute wieder schwarz ist, außer dass es bergauf immer noch anstrengend ist war der Weg gut gehbar und vor allem wunderschön.


Runter geht es jetzt erstmal in steilen Kehren eine Wiese, in der App sieht das lustig aus nämlich so:


Aber als auch das geschafft ist, wird es wirklich leicht, Wald-und Wiesenwege wechseln sich ab. In der Ferne, zwei grüne Hügel weiter, sieht man eine riesige Schafherde, viele Hunderte kleine, weißer Punkte. Die Bonner Damen sind auch auf dem Abstieg und rufen mir wie so oft ein „wie kannst du das nur ohne Stecken gehen?“ hinterher.

Und dann taucht auch Rima schon auf, wieder ein von Walsern errichtetes Steinhaus-Bergdorf.

Als ich am kleinen Marktplatz ankomme, die kurze Abwägung, erst das Hotel suchen oder doch erst hier in der Sonne auf der Terrasse dieser schönen Bar sitzen? Die ist nämlich immer so schnell weg, also die Sonne.



Als ich Team Königssee winkend in der hinteren Ecke sehe, ist die Entscheidung gefallen. Die Freundin vom Königssee springt auf „Katharina! Ich hab mir solche Sorgen um dich gemacht!!“ Ich blicke verwirrt auf die Uhr, kurz nach 4, eine völlig normale Zeit zum Ankommen. „Wie hast du es geschafft?“ will sie wissen. Ich bin verwirrt. „Ja wie die letzten Tage halt auch, 1.000 hm hochgeschnauft und 1.000 auf der anderen Seite wieder runtergerollt.“ „ja aber weil du doch ganz ALLEIN bist. Das war einfach so gefährlich. Ich hab mir WIRKLICH Sorgen um dich gemacht.“ Es klingt echt. Ich bin immer noch verwirrt. „Wie bist du denn alleine an ihm vorbeigekommen?“ „An WEM vorbeigekommen?“

„Ja an dem irren Hirtenhund! Er hat erst die beiden Passauer angefallen, die haben sich in ein Latschenfeld bergab gestürzt, dann erst hat er von ihnen abgelassen und dann ist er auf uns los!“ Sie zeigt auf ihre Freundin:

„Er hat sie von hinten angefallen und sich in ihrem Rucksack festgebissen, das war so schlimm. Aber wir waren wenigstens zu zweit.“

“Wo soll der denn gewesen sein?“

“na bei der riesigen Schafherde!“

Ach die! Die war schon zwei Berge weiter. „Da hast du wirklich Glück gehabt!“ Hat der Erdbeerbauer doch nicht einfach nur eine Geschichte erzählt. Also bei großen Schafherden künftig vielleicht ein bisschen schauen vorher. Die beiden Bonner Damen kommen an - ich rufe der deutlich schnelleren der beiden die Kurzversion des eben gehörten zu „Hast du ein Glück dass du uns immer dabei hast“ - ich deute auf ihre Frau und mich - „sonst wärst du jetzt TOT!“

Wir lernen: Langsam laufen rettet Leben. Oder auch sehr schnell laufen können. Alles dazwischen ist schlecht…


Alle sind heute in dem Rifugio, das noch eine halbe Stunde außerhalb des Ortes liegt. Kurz hatte ich überlegt umzubuchen, auch Danile meinte heute morgen, das sei ein so magischer Ort. Ich mag magische Orte, aber nicht abseits der Route. Morgen muss man dann alles wieder aufsteigen. Ach nee. Da taucht noch ein bekanntes Gesicht auf, ich erkenne sie gar nicht gleich so verändert wirkt sie - die Konstanzer Quantenphysikerin! Hatte ich sie auf der Alpe della Colma noch als sehr „effizient“ in ihrer Kommunikation wahrgenommen, sprudelt sie jetzt über vor Begeisterung, hatte so schöne Tage, hat ein paar zusammengefasst dafür jetzt in Rima einen Pausentag eingelegt. Sie fühlt sich so fit, ist zweimal 2.000 Hm an einem Tag rauf, die Kondition ist wieder da, freut sie sich. Ach was bin ich neidisch, diesen Satz hab ich auf dieser Tour noch nicht gesagt. Wir quatschen uns ein bisschen fest, die Passauer waren zwischenzeitlich auch da, es ist echt lustig, man sitzt in einem völlig fremden italieninschen Bergdorf und kennt „alle“.


Team Königssee verabschiedet sich mit einem „Mei Katharina, mir werden uns ja nimmer sehen….“ (Ich bin ziemlich sicher, wie sehen uns morgen noch…) ich tausche noch ein bisschen Erlebnisse mit der Quantenphysikerin aus, dann ist es nach 18 Uhr.



Jetzt suche ich doch mal meine Unterkunft. Sie ist 2 Minuten entfernt, ich soll das größte Haus in der Stadt suchen, sagt die Barbesitzerin. Da ist es auch schon. Die Chefin steht wie eine Gräfin auf der obersten Stufe: „Katharina?“ „Ja, Buona sera!“ „Du bist spät! Abendessen ist um 19 Uhr.“


Es wird ein Dinner for one, ich bin der einzige Gast und an diesem Abend finde ich das echt schön. Es gibt eine köstliche Kichererbsensuppe, Braten, Käse. “Zum Dessert könne ich wählen, entweder Eis oder..“ “Eis“, sage ich.


Ich hab den riesigen Garten für mich alleine, da sitze ich nach dem Essen noch lange draußen und höre dem Wasserfall zu.






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