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Tag 7 GTA - Waldbadetag

Mittwoch, 02.08.23

Rifugio Gattascosa - Rifugio Alpe Laghetto

Km 10 - Hm rauf 605, hm runter 300

Unterwegs von 9:00 - 15:15 Uhr - reine Gehzeit 4,5h (erstmals unter der Rother-Zeit von 5h tadaaa🎉)



Der Eindruck, GĂ€ste nerven ein bisschen setzt sich beim FrĂŒhstĂŒck fort. Sie haben gesagt FrĂŒhstĂŒck um 7:30 Uhr - das ist eh eher spĂ€t fĂŒr HĂŒtten. Als wir runterkommen frĂŒhstĂŒcken das ganze Team (es scheint eine Familie zu sein) auch gerade. Alles ist wieder in unglaublich viel Plastik verpackt, Mini-Muffins, Zwieback, Marmeladen, Nutella, alles extra, und wir essen wieder vom Pappteller. Alles wird hinterher weggeworfen. Sie beachten mich nicht groß und ich frage jetzt auch nicht nach Kaffee, setze mich ohne an den Tisch, einer der anderen Wanderer fragt spĂ€ter. Da erst steht jemand auf und macht Kaffee. Es wĂ€re so leicht 7 GĂ€sten einen so tollen Aufenthalt zu bescheren von dem sie all ihren Freunden (und Lesern) vorschwĂ€rmen. Sie sind 5 - und ich fĂŒhle mich auch heute als wĂ€re ich uneingeladen bei einer fremden Familienfeier erschienen.



Die HĂŒtte wĂŒrde wirklich so schön liegen, ein so schöner Platz. Ohne WĂ€rme drin. Als ich zahle und ihr nach kurzem Zögern 10 Euro Trinkgeld gebe, sehe ich die Wirtin zum ersten Mal völlig ĂŒberrascht lĂ€cheln. Sie bedankt sich mehrfach, strahlt mich an, scheint mich zum ersten Mal richtig zu sehen. Vielleicht fehlt ihr doch auch ein bisschen Anerkennung, diesen großen Betrieb am Laufen zu halten.


Die Sonne scheint, um 9 Uhr mache ich mich als erstes los, ein leichter, blauer nicht so langer Tag steht an. Blau ist auch der Himmel! Es geht auf leichten Wegen gleich mal wieder an einem See vorbei.



Nach einer guten Stunde kommt die Bernhardino HĂŒtte, das ist zwar sehr frĂŒh, aber es sind so selten HĂŒtten unterwegs, das muss man nutzen. Um 10:15 Uhr sitze ich dort in der Sonne, die Wirtin ist supernett, ich bestelle in holprigen italienisch ein Wasser und einen Cappuccino, sie fragt auf holprigen Deutsch ob ich noch ein Croissant möchte - die sind von gestern sie wĂŒrde es mir nicht auf die Rechnung setzen. Ob die Kalorien dann auch nicht auf die heutige Rechnung kommen, frage ich. Wir lachen beide. Es kann so einfach sein und mich hat tatsĂ€chlich die Gattascosa HĂŒttenwirtin beim Abstieg noch eine Weile beschĂ€ftigt. Aber man kann nicht reinschauen, vielleicht hatte sie einfach nur eine blöde Woche, einen blöder Tag oder auch einen Schicksalsschlag. Vielleicht ist der Mann kĂŒrzlich gestorben. Man weiss es nicht.


Nach einer Weile kommt Paar 1 - die Lehrer, kurz drauf Paar 2, die Berliner. Alle kehren ein, genießen die Sonne. Ich habe kurz Netz, hĂ€tte es fast geschafft euch den gestrigen Artikel freizuschalten, aber dann war es schon wieder weg. Gegen 11 breche ich auf, es geht in munterem auf und ab Waldwege und ausgetretene Mulipfade entlang. Meistens im Wald, durch den manchmal die Sonne durchscheint.


Und viele Schmetterlinge begleiten mich heute:





Ich mache heute weniger Bilder, weil wenig Fernblick. Aber es ist ein so schöner, entspannter Tag. Irgendwann ĂŒberholen die Berliner, wir checken nochmal die Wege, es ist wieder ganz wo anders hin ausgeschildert als man eigentlich gehen soll.


Aber GPS hilft. Wir einigen uns auf einen Weg und gehen dort weiter. Er bleibt im Wald, schön schattig. Waldbadetag ist ja neues Lifestyle-Hobby gestresster GroßstĂ€dter. Weil das so gut tut, einfach nur im Wald zu sein. Das bekommen wir heute den ganzen Tag for free.


Der Boden federt so schön nach und es geht sich so leicht und gut heute.


An ein paar verfallenen SteinhĂ€usern sehe ich die beiden wieder sitzen und brotzeiten. Mir fĂ€llt ein, ich habe neben meiner Konditorei ja noch ein halbes Cordon Bleu im Rucksack (mit KĂ€se vom Bruder des Wirtes in Gondo) Ich setze mich dazu und esse die HĂ€lfte von der HĂ€lfte - es war echt ein Riesen-Schnitzel. Viel KĂ€se, wenig Fleisch. Gut fĂŒr die Ökobilanz. Und morgen auch noch Brotzeit.


Jetzt kommen nochmal 400 hm rauf, langsam zieht es zu, es wird kĂŒhler, bleibt aber trocken. Ein uraltes italienisches Ehepaar kommt uns entgegen, der Mann strahlt aus jeder Pore und ist die personifizierte Freundlichkeit und Fröhlichkeit: Er ruft uns zu, bald haben wir es geschafft und oben gĂ€be es Rotwein und lecker Polenta. Oh toll, das hatten wir ja schon seit mind. 15 Stunden nicht mehr. Bin schon völlig unterpolentarisiert! Wo wir her sind, will er wissen. In einem Misch-Masch aus italienisch, englisch und deutsch „unterhalten“ wir uns. Ich werde als erstes interviewt: Aus MĂŒnchen komme ich, beantworte ich seine Frage. „MĂŒnchen in BAYERN??“ fragt er begeistert. Da hĂ€tten wir doch einen berĂŒhmten König, oder? „Ja immer mal wieder.“ Wie der gleich nochmal heißt, will er wissen. „Der berĂŒhmteste hieß Ludwig, der aktuelle nennt sich Markus.“ Ob einer der beiden mein Ehemann sei, fragt er. „Klar.“ Dann sei ich also die Pricipessa von Bayern, stellt er fest „Ja so könne man das sehen.“


Dann sind die Berliner dran. „Ost oder West?“ „Beides“ antwortet Paula. „Also deutsch!“ Er fasst nochmal zusammen, die Principessa aus Bayern, mit zwei Deutschen. Wir verabschieden uns, Paula flĂŒstert hinter mir „soso, du bist also die Prinzessin von Bayern.“ Kurz hab ich das GefĂŒhl, sie zweifelt diese Geschichte an? „Behandle mich einfach, als wĂ€re ich eine ganz normale Person“, biete ich ihr an. „Und sag’s nicht weiter. Ich will auch mal meine royale Ruhe haben.“ Im Gegenzug verspreche ich, ihren Beruf auch nicht zu verraten
 Auch nicht mal hier im kleinsten Kreise. Deal ist Deal.

Und dann: „HĂŒtte in Sicht!“


Bald ist sie erreicht, sie ist winzig, sehr einfach und so so heimelig.



Die Wirte wechseln hier wohl - Ă€hnlich wie damals auf dem Hugo Gerber Haus - alle paar Wochen. Man macht es einfach nur so lange, wie es Freude macht. Ein ziemlich gutes Konzept. Das sollte es fĂŒr viel mehr Berufe geben. Wir werden eingecheckt, hier gibt es auch wieder „italienisches Abendessen“ Pasta als Vorspeise, Fleisch, Kartoffeln und GemĂŒse danach. Wir dĂŒrfen wĂ€hlen, bei jedem Gang 3 Auswahlmöglichkeiten, er hat es auf einen winzigen Zettel geschrieben und jeweils auf deutsch und englisch ĂŒbersetzt. Man hat das GefĂŒhl, er nimmt sich alle Zeit der Welt fĂŒr einen. Wir fĂŒhlen uns alle sehr wohl.


Am Nebentisch sitzt eine schwĂ€bische, topsportliche Familie, Mama, Papa und erwachsener Sohn, sie sind 6 Tage auf dem GTA. Bald kommt noch ein Paar, die zeltenden Freiburger, die in diesem spĂ€ten (und „teuren“) Bus saßen. Sie sind am selben Tag wie ich gestartet, waren aber fast durchgĂ€ngig im Zelt. Sie laufen auch noch 2 Wochen. Lauter Fernwanderer. Ich bin begeistert. Ich stelle erneute meine Lieblingsfrage, wer denn in diesem Wald-Biwak schlĂ€ft? Die Schwaben wollen das durchlaufen, zwei Etappen. „Das sind aber 2.000 hm rauf dann, an EINEM Tag, das ist doch total viel??“ Der Schwabe meint, das stimmt nicht, das seien keine 2.000. Ich bin irritiert, tippe die 2 Zahlen zusammen: „Doch, schau, 1.950 hm!“ „Siehst du? Keine 2.000!“.


Die Lehrer waren bis zum letzten Anstieg hinter uns, sind dann aber zum Selbstversorger-Biwak abgebogen, das soll reicht gut ausgestattet sein. Sie meinten zwar morgens, sie haben nix zum essen dabei, einkaufen ist wirklich schwierig unterwegs, es gibt fast nie LĂ€den oder sowas. Aber einen Abend kommt man ja immer durch. Und manchmal lassen wohl Leute auch ein paar Nudeln dort, bevor sie absteigen.

Das Essen ist lecker, wir bestellen diverse Liter Rotwein (aber wir sind ja auch viele), er ist schwer und sĂŒĂŸ. Um 21 Uhr falle ich ins Bett, um 3 bin hellwach. Ich gehe raus, die Nacht ist warm, Vollmond scheint, es ist eine friedliche Stimmung. Ich bin trotzdem total knatschig, und so mĂŒde, kann aber nicht mehr richtig einschlafen. Zwar ist das Bett neben mir gottseidank leer geblieben, ich hab Platz, niemand Fremden neben mir. Die Berliner schlafen ĂŒber mir und zwei Ă€ltere Herren von HĂŒttenteam an der TĂŒr. Aus der Ecke ist es dann auch ziemlich laut. Mein Nacken tut weh und ich glaub ich bekomme langsam doch ein bisschen HĂŒttenkoller. Irgendwie ist das alles auch etwas unangemessen fĂŒr die Pricipessa von Bayern.


Na wir gucken mal, wie es die nÀchsten Tage wird.

Seid gegrĂŒĂŸt und gehabt euch wohl,

eure Prinzessin von Bayern




9 Kommentare

9 Comments


ulrike.voigt2
Aug 11, 2023

Euer Hoheit đŸ€© das merke ich mir vor, Dich korrekt anzusprechen, bei unserer nĂ€chsten Begegnung!

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katharinaehrhardt
Aug 12, 2023
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Liebe Ulli, wir kennen uns schon so lange, du darfst es gerne bei "Pricipessa di Bavaria" belassen. Bei Hoheit fĂŒhle ich mich auch gleich so alt...

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detlef.k.boos
Aug 06, 2023

Principessa Caterina di Baviera đŸ‘žđŸ»

https://youtu.be/wxVbAa-cebo

đŸ™‡đŸ»đŸ„Ÿâ›°ïž

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detlef.k.boos
Aug 12, 2023
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Gerne HRH đŸ™‡đŸ» Perspektivwechsel find ich großartig

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sabine
Aug 05, 2023

Jep, wieder Erste!


was macht eigentlich dein Magen? War es nur eine Überanstrengung? Sicher, wahrscheinlich! Sonst hĂ€ttest du nicht so einen guten Appetit.

Waldbaden beinhaltet BĂ€ume zu umarmen
.hastdu?hastdu?hastdu?

es ist so schön dich zu lesen, mach bitte genauso weiter đŸ„°

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katharinaehrhardt
Aug 06, 2023
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Alles gut, fĂŒhle mich so gut. Ne umarmt hab ich heut niemanden. Nur BĂ€ume geguckt und geatmet (bergauf dann auch immer ein bisschen schneller
)

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